Nach zwei Abstürzen von Boeings Flugzeugtyp 737 Max 8 innerhalbe eines halben Jahres hat der amerikanische Flugzeughersteller Boeing Probleme mit einer weiteren Software eingeräumt. Diese seien bei der Überarbeitung des Steuerungsprogramms MCAS (Manoeuvring Characteristics Augmentation System: dient der automatischen Stabilisierung des Flugzeugs) festgestellt worden, stünden aber nicht in direktem Zusammenhang damit. Das teilte Boeing-CEO Dennis Muilenburg in einem Statement in der Nacht auf Freitag mit.
Relevant oder geringfügig?
Zuvor hatte die «Washington Post» berichtet, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA das neue Problem beanstandet habe. Solange es nicht gelöst sei, werde das Startverbot für Boeings Unglücksmaschine der 737-Max-Serie nicht aufgehoben.
Boeing bezeichnete das neue Softwareproblem hingegen als «relativ geringfügige Angelegenheit», die zusammen mit der MCAS-Aktualisierung korrigiert werde. «Wir haben bereits eine Lösung dafür in Arbeit», hiess es in der Stellungnahme des Konzerns. In den «kommenden Wochen» werde die Aktualisierung so weit sein, dass es der FAA zur Zertifizierung vorgelegt werden könne.
Das MCAS-Update werde sicherstellen, dass Unfälle wie in Äthiopien und Indonesien «nie wieder passieren», sagte Muilenburg. Kurz vor Muilenburgs Stellungnahme hatte der Konzern bereits versprochen, dass Piloten künftig immer die Möglichkeit haben werden, die Automatik auszuschalten und zur manuellen Kontrolle zu wechseln.
Produktionsrate wird verringert
«Wir wissen jetzt, dass die Unfälle bei Lion Air Flight 610 und Ethiopian Airlines Flight 302 durch eine Reihe von Ereignissen verursacht wurden, wobei ein gemeinsames Kettenglied eine fehlerhafte Aktivierung der MCAS-Funktion des Flugzeugs war« bestätigte Dennis Muilenburg. «Wir haben die Verantwortung, dieses Risiko zu beseitigen, und wir wissen, was wir zu tun haben. Als Teil dieser Anstrengungen machen wir Fortschritte beim 737 MAX-Softwareupdate, durch das Unfälle wie diese verhindert werden. Die Teams arbeiten unermüdlich, entwickeln und testen die Software, führen Prüfungen durch und binden weltweit Regulierungsbehörden und Kunden mit ein, während wir die endgültige Zertifizierung durchlaufen.»
Während dieses Prozesses werde das 737-Produktionssystem vorübergehend an die Pausen bei den MAX-Lieferungen angepasst, sagte Muilenburg. «Wir haben beschlossen, ab Mitte April von einer Produktionsrate von 52 Flugzeugen auf 42 Flugzeuge pro Monat zu wechseln.»
Wenn der MAX wieder an den Himmel zurückkehre, werde er so sicher sein wie jedes andere Flugzeug, sagte Muilenburg in seinem Statement.«Wir arbeiten mit globalen Aufsichtsbehörden und Kunden zusammen, um die 737 MAX-Flotte wieder in Betrieb zu nehmen und unsere Verpflichtungen gegenüber allen Stakeholdern zu erfüllen.»