Der ehemalige Militärflugplatz Saanen Gstaad dient seit Jahrzehnten nicht mehr seinem ursprünglichen Zweck. Ab 1938 war der Fliegerstützpunkt im Zuge der Reduit-Strategie auf einer planierten, entwässerten Grasfläche entstanden; einer von 18 Reduit-Flugplätzen. Am 23. April 1942 begannen die Bauarbeiten für die Hartbelagpiste, die bereits Ende 1942 in Betrieb genommen werden konnte. Leichte Militär-Propellermaschinen nützten in der Folge den Platz.

Die topografisch anspruchsvolle Lage inmitten hoher Berge war jedoch für den Betrieb der ersten Generation schneller Militärjets wie Venom oder Vampire ungeeignet. Es kam zu heiklen Start- und Anflugabbrüchen. Zudem passte der Flugplatz nicht mehr ins Abwehrdispositiv der Flugwaffe, die eine Konzentration auf wenige grössere, besser anfliegbare Militärflugplätze anstrebte. 1968 landeten die letzten Venom-Militärjets.

FGGS wird Besitzerin

2011 ging der Flugplatz in den Besitz der Flugplatzgenossenschaft Gstaad-Saanenland über. Seither dient der Gstaader Airport (LSGK) einem bunten Mix an zivilen Benutzern für Business- und Taxiflüge, Rettungsflüge, Flugschulung und Rundflüge sowie als Heliport und Durchführungsort für alpine Segelfluglager. In privaten Maschinen reisen Gäste aus aller Welt im Flugzeug oder Helikopter an. Auch kann das Areal für grössere nichtfliegerische Publikumsanlässe oder VIP-Events gemietet werden, was regelmässig der Fall ist. Am Pistenrand hat auch die örtliche Modellfluggruppe Gastrecht.

Adé rissige Hangarmauern

FGGS-Präsident Walter Egger hält im Gespräch fest: «Wesentliche Erneuerungen oder Ausbauten haben in den letzten Jahrzehnten nicht stattgefunden. Darum musste die teilweise baufällige Infrastruktur des Airports dringend saniert werden.» Etliche Anlagen des Flugplatzes entsprachen den gestiegenen Anforderungen seit längerem nicht mehr. In einer Publikation war gar die Rede von rissigen Hangarmauern, schäbigen Toiletten, fehlender Enteisungsanlage, dezentral liegenden Gebäuden, fehlende geschützte Flugzeugabstellplätze usw. So hat die Trägerschaft des Gstaad Airports im Juni 2015 ein Erneuerungsprojekt entwickelt, das die unterschiedlichen Nutzungsbedürfnisse abdeckt.

Egger betont, dass viele Gäste, den nahen Flugplatz als unabdingbar betrachten, weil sie rasch und unabhängig von Schnee, Wetter und Wechselkurs oft auf dem Luftweg ins Saanenland reisen. Der Flugplatz rundet nach seinen Worten das Verkehrsangebot ab und steigert die Attraktivität der Region erheblich.

Wohlwollende Stimmbürgerschaft

Das Baubewilligungsverfahren, die Finanzierung (20 Mio Franken von privaten Investoren, 9.3 Mio von der Gemeinde Saanen) sowie die Projektentwicklung verliefen positiv. So stimmte die Gemeindeversammlung Saanen anfangs Dezember 2015 fast einhellig – mit 221 Ja gegen bloss 6 Nein – dem 9.3 Mio Kredit für die Sanierung des Flugplatzes zu. In der Folge begann die Detailplanung, bei dem das einheimische Architekturbüro Jaggi & Partner AG den Lead hatte. Im April 2017 fand der Spatenstich für die Komplettsanierung statt, die im Frühsommer 2018 abgeschlossen wurde. Am Eröffnungsfest vom 6. Juli mit 240 geladenen Gästen – darunter auch Bernie Ecclestone, Formel-1 Legende und regelmässiger Gast in Gstaad – betonten diverse Referenten die Bedeutung des Regionalflugplatzes.

Zu den Besonderheiten bei der Planung hält Architektin Elisabeth Wampfler fest: «Wir haben uns vorgängig auf vergleichbaren Schweizer Flugplätzen umgesehen und vielfältige Erfahrungen gemacht, die ins Projekt eingeflossen sind». Das seien zum Beispiel die neue Drehscheibe zum geordneten Parkieren von Flugzeugen oder die Dachkonstruktionen der Hangars. Der rundum erneuerte Airport Saanen-Gstaad kann nun  wieder für Jahrzehnte seine wichtige Rolle als regionaler Bahnhof zur Luft erfüllen.

Zentralisierung der Infrastruktur im Norden des Flugplatzgeländes
Sämtliche Nutzungen konnten in einem einzigen Gebäude zentral untergebracht werden. Dieses befindet sich auf der Nordseite der Piste und ist direkt ab der Kantonsstrasse erschlossen. Das neue Gebäude gliedert sich in drei Teile: Der Westhangar für die Operationen des Flugplatzes und für die Helikopterbasis der Air Glacier, der Mittelteil mit Terminal, Büros, Mitarbeiterräume und Gästebereich, drei Hangars auf der Westseite für Helikopter und Flugzeuge, darunter der Drehtellerhangar. Architektin Elisabeth Wampfler von J. & P. AG betont: «Die gesamten Konstruktionen konnten vorwiegend  aus Holz erstellt werden und passen so ideal ins Landschaftsbild.»