Die Lufthansa Group hat im ersten Halbjahr 2019 von einem weiterhin starken Langstreckengeschäft profitiert – speziell auf den wichtigen Nordamerika- und Asien-Verbindungen. Auf den Kurzstrecken in Europa wirkt sich vor allem der Preiskampf in Deutschland und Österreich negativ auf die Ergebnisse aus.
Kosten werden weiter gesenkt
«Unser Ergebnis wird durch einen harten Konkurrenzkampf in Europa mit hohen Überkapazitäten beeinflusst. Besonders betroffen sind die Kurzstrecken aus Deutschland und Österreich. Wir reagieren darauf, indem wir weiter Kosten senken und die Flexibilität erhöhen. Mit dem kürzlich vorgestellten Turnaround Plan werden wir ausserdem Eurowings zu einer nachhaltig profitablen Airline machen», sagt Ulrik Svensson, Finanzvorstand der Deutschen Lufthansa AG.
Im zweiten Quartal stiegen die Umsatzerlöse der Gruppe um 4 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 9,3 Milliarden Euro). Das Adjusted EBIT erreichte 754 Millionen Euro (Vorjahr: 1 Milliarde Euro). Die Adjusted EBIT-Marge lag damit im zweiten Quartal bei 7,8 Prozent (Vorjahr: 10,8 Prozent). Allein die Treibstoffkosten lagen im zweiten Quartal 2019 um 255 Millionen Euro über dem Wert des Vorjahres.
Netzwerk-Airlines mit rückläufigem Resultat
Die Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines verbuchten im ersten Halbjahr ein Adjusted EBIT von 565 Millionen Euro (Vorjahr: 989 Millionen Euro). Die Adjusted EBIT-Marge erreichte 5,1 Prozent und lag damit 4,2 Prozentpunkte unter dem Vorjahr (Vorjahr: 9,3 Prozent). Das Angebot wurde um 4,9 Prozent ausgeweitet und auch die Auslastung stieg um 0,9 Prozentpunkte. Aufgrund rückläufiger Durchschnittserlöse, vor allem in Europa, sanken die Stückerlöse im ersten Halbjahr auf währungsbereinigter Basis um 3,2 Prozent gegenüber Vorjahr. Die Langstrecke entwickelte sich weiterhin positiv. Die um Treibstoff- und Währungseinflüsse bereinigten Stückkosten sanken um 0,2 Prozent, unter anderem aufgrund gesunkener Kosten aus Flugunregelmäßigkeiten. Die Zahl der Flugausfälle sank im ersten Halbjahr um 28 Prozent.
Verlustgeschäft «Eurowings»
Das Adjusted EBIT von Eurowings ging in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auf minus 273 Millionen Euro zurück (Vorjahr: minus 220 Millionen Euro). Das Angebotswachstum lag bei 3,8 Prozent. Die Auslastung stieg um 0,9 Prozentpunkte auf 80,7 Prozent. Da die Durchschnittserlöse auf der Kurz- und Mittelstrecke jedoch deutlich sanken, lagen die Stückerlöse währungsbereinigt um 5 Prozent unter Vorjahr. Im zweiten Quartal fiel der Rückgang geringer aus, vor allem aufgrund von Verbesserungen auf der Langstrecke, wie die Lufthansa Group mitteilt.
Aviation Services
Im Geschäftsfeld Logistik mit Lufthansa Cargo verringerte sich das Adjusted EBIT auf 15 Millionen Euro (Vorjahr: 127 Millionen Euro), vor allem aufgrund einer sinkenden Nachfrage auf den Routen zwischen Europa und Asien. Lufthansa Cargo hat mit Kapazitätsanpassungen auf die rückläufige Entwicklung des Luftfrachtmarkts reagiert.
Das Adjusted EBIT der Lufthansa Technik lag vor allem dank einer positiven Entwicklung des Triebwerkgeschäfts um 7 Prozent über Vorjahr bei 243 Millionen Euro (Vorjahr: 227 Millionen Euro).
Das Adjusted EBIT des Cateringgeschäfts der LSG Group sank im ersten Halbjahr 2019 auf 33 Millionen Euro (Vorjahr: 40 Million Euro).
Das Adjusted EBIT der weiteren Gesellschaften und Konzernfunktionen ging um 53 Prozent auf minus 135 Millionen Euro zurück (Vorjahr: -88 Millionen Euro).
Ausblick
Wie im Juni angekündigt, rechnet die Lufthansa Group für das Gesamtjahr 2019 mit einem Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich und einer Adjusted EBIT-Marge von 5,5 bis 6,5 Prozent. «Anhaltende Überkapazitäten, ein aggressiver Wettbewerb und eine zunehmend preissensible Nachfrage üben bei den Netzwerk Airlines und bei Eurowings weiterhin Druck auf die Durchschnittserlöse im Europaverkehr aus, insbesondere in den Heimatmärkten Deutschland und Österreich», schreibt die Lufthansa Group. Sie geht davon aus, dass der europäische Markt mindestens bis Ende 2019 so herausfordernd bleiben wird.
Bei den Netzwerk-Airlines werde sich das Langstreckengeschäft voraussichtlich auch im weiteren Jahresverlauf überdurchschnittlich gut entwickeln, prognostiziert die Lufthansa Group. Angesichts der sich eintrübenden gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Heimatmärkten des Konzerns sind allerdings die Risiken einer im Vergleich zur ersten Jahreshälfte schwächeren Entwicklung gestiegen. Der Konzern erwartet, dass die Netzwerk Airlines im Jahr 2019 eine Adjusted EBIT-Marge zwischen 7 und 9 Prozent erreichen werden.
Eurowings wird sich auf die Umsetzung der Ende Juni vorgestellten Massnahmen konzentrieren, um den finanziellen Turnaround zu beschleunigen. Dazu zählen die klare Fokussierung auf europäische Kurzstrecken im Punkt-zu-Punkt Verkehr, die Verringerung der Komplexität und die Steigerung der Produktivität, unter anderem durch die Reduktion auf einen Flugbetrieb in Deutschland. Insgesamt sollen die Stückkosten bis 2022 um 15 Prozent reduziert werden. Erste Massnahmen befinden sich bereits in der Umsetzung. So hat die Ausflottung älterer, mittlerweile ineffizienter Flugzeuge begonnen. In der zweiten Jahreshälfte rechnet Eurowings weiter mit Belastungen auf der Kurzstrecke, die durch Verbesserungen auf der Langstrecke teilweise kompensiert werden sollten. Im Gesamtjahr wird sich die Adjusted EBIT-Marge von Eurowings voraussichtlich auf minus 4 Prozent bis minus 6 Prozent belaufen.