Unternehmen weisen anlässlich von Jubiläen auf ihre Erfolge hin und nutzen ebenso gerne die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Dass nicht selten auch eine Portion Glück dazu gehörte fällt oft erst im Nachhinein auf. BMW als einstige Tochter der Fahrzeugwerke gründete 1936 die BMW-Motorenwerke, die unter anderem die Flugmotoren für den Ju-52 herstellten. Mit dem BMW 003, einem Triebwerk in den Heinkel He 162 und Arado 234 war der Einstig in das Turbinenzeitalter geschaffen. Die Nachkriegszeit erlaubte keine weiteren Entwicklungen. Viele der damaligen Experten gingen in die USA, so auch namhafte Ingenieure, die bei General Electic auf der Führungsebene ein neues Betätigungsfeld fanden.
Tornado-Triebwerke: Meilenstein in der Firmengeschichte
1969 war ein ganz entscheidendes Jahr in der Firmengeschichte von MTU: Damals schlossen sich die Triebwerkssparten von Daimler-Benz und der MAN Turbomotoren GmbH zu dem Unternehmen zusammen, was über die Jahrzehnte zur heutigen MTU Aero Engines AG führte. Parallel weitete sich MTU, das in Friedrichshafen ansässige Unternehmen für-Fahrzeugmotoren und Schiffsantriebe, als ebenfalls eigenständiges Unternehmen aus.
Meilenstein der MTU Erfolgsreihe sollte die Entwicklung das Tornado-Triebwerks werden, auch wenn schon zuvor diverse Lizenzfertigungen auf militärischem Sektor liefen. Das eigens für den RB199-Bau gegründete Turbo-Union-Konsortium, ein Zusammenschluss von Rolls-Royce (40 Prozent), Fiat (20 Prozent) und der MTU (40 Prozent) kennzeichnet auch die Schwierigkeiten der damaligen Zeit, weil viel Know-how in der Nachkriegszeit verloren gegangen war, denn bis 1955 durfte in Deutschland für die Luftfahrt weder entwickelt noch produziert werden.
Entwicklungsgeschichte der 2504 RB199
«Wir waren damals sowohl für den Mittel- und Hochdruckverdichter, die Mitteldruckturbine und den Schubumkehrer verantwortlich als auch für das interne Luft- und Ölsystem zur Kühlung und Schmierung der hochbelasteten Lager sowie der Führung der Turbinenschaufel-Kühlluft», erinnert sich Arthur Schäffler, Entwicklungsingenieur und späterer CEO von Eurojet, untere deren Verantwortung das Eurofighter-Triebwerkprogramm lief.
Die zunächst mässigen Leistungen des ersten RB199-Testlaufs in den siebziger Jahren sorgten daher bei Schäffler und seinen Kollegen für lange Gesichter. Ebenso überraschend war die Erkenntnis, dass bei den Schaufeln aller hinteren Stufen des Hochdruckteils die Oberflächenrauigkeit deutlich zu gross war. «Das aerodynamische Potenzial konnte so nicht voll genutzt werden», sagt Schäffler. Auch hier sollten Jahre vergehen, bis die zum Teil nur Daumennagel-grossen Schaufeln in einer Qualität hergestellt werden konnten, dass die Leistung stimmte. Schliesslich wurden aber doch 2504 RB199 gefertigt und viele davon fliegen noch heute in den bis zu Mach 2,2, schnellen Tornados.
In Programmen rund um den Globus vertreten
Der Einstieg in den Bereich der zivile Triebwerkswerks-Entwicklung und Fertigung begann mit einem Abgasgehäuse für das JT8-D bei Pratt & Whitney, ein Zweiwellentriebwerk, welches primär nur in der Boeing 737-100 und Douglas DC-9 verwendet wurde. Heute ein Klassiker. Die Zusammenarbeit lief reibungslos und übertraf die Erwartungen von Pratt & Whitney.
Die Partnerschaften weiteten sich auch auf andere Programme aus. Von den über 10'000 Mitarbeitern sind 80 Prozent in deutschen Werken beschäftigt. Der Umsatz von MTU betrug 2017 5,05 Milliarden Euro. Neues Zugpferd sollen die Getriebefans mit extrem hohen Nebenstromverhältnis werden. Als Partner von GE, Rolls-Royce, Safran, Avio und ITP leitet MTU Aero Engines zwar keine eigenen Triebwerksentwicklungen, ist dafür aber bis zu 30% in allen zivilen und militärischen Programmen rund um den Globus vertreten. Fast die Hälfte des Umsatzes wird durch die Wartung generiert, die weltweit an 14 Standorten stattfindet.