Unter der Leitung des Co-Präsidenten Roland Ginggen fand die ordentliche Mitgliederversammlung des Hunterverein Obersimmental statt. Knapp 100 Anwesende folgten seinen Ausführungen und genehmigten alle vom Vorstand vorgeschlagenen Traktanden. Ein Raunen ging durch die Menge, als «Papyrus-Pilot» und Co-Präsident Ueli Leutert seine Demission bekannt gab. «Nach der fliegerischen Stilllegung des Hunters sind meine Aufgaben erledigt», so seine nüchterne Bemerkung. Neu präsidiert Roland «Gin» Ginggen, der auch Pilot der Pilatus P-3-Formation Slowbirds ist, den Hunterverein alleine. Anstelle von Ueli Leutert wurde Matthias Minnig als Vizepräsident gewählt.
Neuer Verein im Verein
Natascha Wirth informierte die Anwesenden über den neu gegründeten Verein U-328. Dieser beschäftigt sich mit dem Wiederaufbau der Noorduyn Aviation AT-16 Harvard IIb. Die mit der Nummer U-328 militärisch immatrikulierte Maschine stand über Jahre im Fliegermuseum in Dübendorf, ehe sie anderen Ausstellungsgegenständen weichen musste. Ziel des Vereins ist es, diese fliegende Legende wieder flugtüchtig zu machen. Das Projekt soll jüngere Menschen für die Luftfahrt begeistern und ihr Interesse an einem technischen Beruf wecken. Für die Realisierung der originalgetreuen und fliegenden AT-16 müssen noch rund 9000 ehrenamtliche Arbeitsstunden eingesetzt werden. Auch rund 300'000.- Franken sind nötig. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der Hunterverein Obersimmental Eigner der Schenkung aus Dübendorf ist. Der Verein U-328 wurde ins Leben gerufen, da der geschäftliche Teil separat geführt werden soll.
Einzige flugfähige Alouette III
Im Anschluss an den ordentlichen Teil der GV übergab Roland Ginggen das Wort Roland Triet, der einen Vortrag über die Sud-Aviation SE 3160 Alouette III hielt. Die Luftwaffe setzte seinerzeit 84 Alouette III für diverse Aufgaben ein. Dazu kamen 48 zivil registrierte Rettungshelikopter dieses Typs. Über die Jahre wurden sämtliche «Lerchen» ausser Dienst gestellt oder an andere Institutionen im Ausland verkauft. 2021 gelang es Triet, eine vor neun Jahren komplett revidierte Maschine vor dem Export nach Südafrika zu retten und käuflich zu erwerben.
Das Pilatus-Fly-In
Nebst den drei Pilatus P-3 des Slowbird Teams trafen zwei weitere Maschinen des gleichen Typs, vom Fliegermuseum Altenrhein kommend, ein. Auch die HB-RCY der Association pour le maintien du Patrimoine Aéronautique AMPA von Lausanne war mit von der Partie. Ergänzt wurde das Sextett durch den bekannten Pilatus P-2 und einen PC-7 Turbotrainer. Diesen acht Flugzeugen gegenüber standen zahlreiche andere Maschinen wie Piper L-4 und Archer sowie diverse Cessnas. Ferner bereicherten einige Preziosen wie der Doppeldecker Rombach Special, ein Bücker Jungmann oder der Eigenbau Jodel D9 Bébé das Fly-In. Da die AMPA zu diesem Meeting eingeladen hatte und sehr präsent war, liess sie kurzerhand ein Dutzend Helfer mit der Antonov An-2 des Vereins Antonov Suisse Romande ASR in St. Stephan einfliegen.
Ueli Leutert und der «Papyrus»
Trotz Rücktritt aus dem Vorstand konnte es Ueli Leutert nicht ganz lassen: Eitle Freude herrschte bei ihm, als er sich in den Hunter setzte und wenige Minuten später das Triebwerk startete. Alsbald rollte er zur Piste 14 und gab ordentlich Schub. Den Anwesenden schnellte der Puls hoch ob des vermeintlichen Starts. Doch schon vor der Pistenmitte brach Leutert den Start ab und rollte zum Pistenende. Nachdem er den Jäger gewendet hatte, setzte er den Schubhebel wieder auf Volllast. Was jetzt? Sekundenbruchteile später nahm er die Triebwerksleistung zurück und löste den Bremsschirm aus. Wie bei einem Echteinsatz klinkte er den Schirm aus, rollte gegen das Pistenende und kam nach der Kurve im leicht ansteigenden Taxiway zu stehen. Auf Kommando verstummte das Triebwerk, der Hunter wurde an den Schlepper gekoppelt und zurück zum Hangar gezogen.
Es war ein kleines, aber feines Fly-In, zu dem sich rund 200 Vereinsmitglieder, Interessierte und viele Spotter einfanden. Hoffentlich finden nächstes Jahr noch mehr Pilatus-Flugzeuge zum Treffen!