«Cockpit«-online» berichtete bereits im vergangenen Jahr über das geplante Comeback des glücklosen Flugzeugs von Dornier, dessen Qualitäten zwar weltweit gelobt wurden, das jedoch in einer Stückzahl von nur 220 (davon 3 Prototypen) gebauten Maschinen nicht unbedingt ein Verkaufshit wie frühere Dornier-Flugzeuge war. Am Leipziger Flughafen soll nun ein neues deutsches Flugzeugwerk unter dem Namen Deutsche Aircraft entstehen. Der geplante Flugzeugtyp: die neue Dornier 328, die inzwischen die Bezeichnung D328 eco erhielt.
Die Deutsche Aircraft ist die umbenannte Deutsche Regional Aircraft GmbH, eine 100 prozentige Tochter der amerikanischen Sierra Nevada Corporation. Die Sierra Nevada Corporation ist ein weltweit tätiger Luft- und Raumfahrtkonzern für elektronischen Systeme und Systemintegrator mit Hauptsitz in Sparks im US-Bundesstaat Nevada. Das Unternehmen ist Vertragspartner des US-Militärs, der NASA und privater Raumfahrtunternehmen. Das 1963 gegründete Unternehmen beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter.
Ökoeffiziente Alternative zu kleinen Regionalflugzeugen
Die 2008 eingestellte Serienproduktion der 33-sitzigen Dornier 328 erforderte bis heute eine Musterbetreuung der 217 im Linien- und Militärdienst eingesetzten Maschinen. Allein das US-Air Force Special Operations Command besitzt 20 Maschinen in der Turboprop-Version, die aus gebrauchten Maschinen anderer Gesellschaften aufgekauft und umgerüstet wurden. Es fliegen aber unter anderem in der Jet-Version sowohl beim ADAC als auch der dänischen Sun Air weiterhin etliche Flugzeuge.
Bei der Sierra Nevada Corporation, bei der durch die 328 Support Services GmbH viel Erfahrungen gesammelt werden konnten, gab es in der Vergangenheit auch Ansätze, die Maschine in der Türkei zu fertigen. Nachdem man sich geeinigt hatte, die Grundideen der Konstruktion beizubehalten, präsentierte man im vergangenen Jahr auf der Paris Airshow das neue Konzept mit einer auf 43 Sitze gestreckten Version mit den Eigenschaften, auch auf kurzen und unbefestigten Pisten zu starten und zu landen.
Entwicklungschef Nico Neumann ist fest davon überzeugt, dass schon in einigen Jahren bis zu 500 Mitarbeiter an der Entwicklung und dem Serienbau beschäftigt sein werden. Oberpfaffenhofen soll weiterhin für die Entwicklung und den Service erhalten bleiben, während in Leipzig bereits eine neue Flugzeugfabrik aufgebaut wird. Die ersten Mitarbeiter seien für beide Standorte aus anderen Flugzeugfabriken übernommen worden, so Neumann. «Die D328 eco soll eine ökoeffiziente Alternative im Markt für Regionalflugzeuge mit weniger als 50 Sitzen» bieten, erklärte Chef Dave Jackson, Managing Direktor am 7. Dezember bei einer Präsentation.
Grösser, weiter, moderner
Gegenüber der Dornier 328 soll der Rumpf der eco um 2,10 Meter auf 23,31 Meter verlängert werden. Eine Stehhöhe von 1,86 soll auch für eine bessere Begehbarkeit der Kabine sorgen. PW127S-Motoren von Pratt and Whitney Canada und speziell entwickelte 7-Blatt-Propeller sollen für einen niedrigeren Verbrauch von 2,6 Liter pro Passagier und 100 Kilometer und weniger Lärm sorgen. Zudem soll mit den Triebwerken auch Biotreibstoff verwendet werden können. Geplant ist ausserdem, den neuen Typ mit einem stärkeres Fahrwerk auszustatten, damit auch auf unbefestigten Pisten gestartet und gelandet werden kann.
Das Cockpit erhält ein vollkommen neues Glas-Cockpit, was dem heutigen Stand eines modernen Regionalflugzeugs entspricht. So soll auch die Maschinen nur mit einem Piloten fliegbar sein. Auch die Leistungen können sich sehen lassen: 600 km/h Reisegeschwindigkeit, 2000 Kilometer Reichweite, über 9000 Meter Flughöhe und Start-und Landestrecken von nur 1000 Meter.
Markteinführung 2025?
Inzwischen, so die Aussage von Dave Jackson, sei man mit der EASA für die spätere Zulassung der D328 eco in engem Kontakt und man habe sogar eine ersten Zulassungsfahrplan bei der Agentur eingereicht. Die Markteinführung ist für das Jahr 2025 geplant.
Die Deutsche Aircraft setzt mit dem neuen Flugzeugtyp sowohl auf die vorhandene Kundschaft als auch auf Neukunden, denn weltweit seien gemäss Marktanalysen über 3800 alternde Regionalflugzeuge ohne Alternativen mit weniger als 50 Sitzen vorhanden.