Nach mehr als einer Woche nach dem Start, begann das Webb-Team damit, die sechseckigen Spiegelsegmente des grössten jemals ins All geschossenen Spiegels ferngesteuert zu entfalten. Es war ein mehrtägiger Prozess, bei dem die erste (Backbord-) Seite des Spiegels am 7. Januar und die zweite (Steuerbord-) Seite des Spiegels am 8. Januar entfaltet wurde. Die Bodenkontrolle des Mission Operations Center im Space Telescope Science Institute in Baltimore begann um 13:53 Uhr GMT/14:53 Uhr MEZ mit dem Ausfahren des Steuerbordspiegels. Nachdem das zweite Seitenteil des Hauptspiegels um 18:17 GMT/19:17 MEZ ausgefahren und eingerastet war, wurden alle Ausfahrvorgänge für abgeschlossen erklärt.
Nächster Schritt: Optik ausrichten
Damit ist die Einrichtung aber noch lange nicht abgeschlossen. Nun wird damit begonnen die 18 Hauptspiegelsegmente auszufahren und zu bewegen, um die Optik des Teleskops auszurichten. Das Bodenteam wird 126 Aktuatoren auf der Rückseite der Spiegelsegmente in Position bringen und jeden Spiegel biegen – ein Ausrichtungsprozess, der Monate dauern wird. Anschliessend werden die wissenschaftlichen Instrumente einer Kalibrierung unterzogen, bevor Webb in diesem Sommer die ersten Bilder liefern wird.
Dritte Kurskorrektur führt in die endgültige Position
In Kürze wird Webb auch eine dritte Kurskorrektur vornehmen – eine von drei geplanten Kurskorrekturen, um die Sonde genau in eine Umlaufbahn um den zweiten Lagrange-Punkt zu bringen, der allgemein als L2 bezeichnet wird und 1,5 Millionen km von der Erde entfernt ist. Dies ist die endgültige Orbitalposition von Webb. «Wir sind begeistert, dass der komplexe Aufbau des Teleskops erfolgreich funktioniert hat. Jetzt warten wir gespannt auf die Ausrichtung der Optik, die Inbetriebnahme der Instrumente und schließlich auf die ersten faszinierenden wissenschaftlichen Ergebnisse», sagt Prof. Günther Hasinger, ESA-Direktor für Wissenschaft.