Damit die Militärpiloten der Schweizer Luftwaffe eine Grundkompetenz des Luftkampfs – das Luft-Luft-Schiessen mit der Bordkanone – in der Schweiz trainieren können, ist auf zwei Ebenen ein perfektes Zusammenspiel notwendig: Die eine Ebene betrifft die minutiös aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit von vielen Beteiligten am Tag X. Die zweite «Ebene» bezieht sich auf das F/A-18-Cockpit: Binnen weniger Sekunden müssen sämtliche erforderlichen Parameter von zwei Piloten in je einer Maschine in ein Gleichgewicht gebracht werden, damit das fliegende Ziel innerhalb von 30 Sekunden von beiden unmittelbar nacheinander getroffen werden kann. Die Anforderungen sind hoch.
Tiger als «Zug-Pferd» für den «Zielsack»
Das Luft-Luft-Schiesstraining über dem Dammastock findet jährlich während zwei Wochen statt. Ab Meiringen starten nebst den Maschinen der Fliegerstaffel 11 auch die «Zug-Pferde» für den «Zielsack»: zwei F-5E Tiger II, die für diese Aufgabe des Schleppens umgerüstet werden (weshalb man sie «Tractor» nennt). Unter dem Rumpf des Jets werden eine Zielschleppwinde mit einer eingebauten Seilwinde sowie ein weisser Behälter für den Sack montiert. Rund vier Meter vor dem Sack befindet sich der «Hit Indicator», ein bereits betagtes, aber hervorragendes Trefferregistriergerät. Das Handling der gesamten Einrichtung geschieht mittels eines im Cockpit montierten Steuergeräts.
Zielsack 500 Meter hinter dem Tiger
Bald trifft der erste Tractor von Meiringen her kommend ein. Bei reduzierter Geschwindigkeit wird der Sack unter den wachsamen Augen des Schiessleiters bis auf eine Länge von 500 Meter ausgefahren. Da die Mechanik der Zielschleppwinde mit Fahrtwindantrieb funktioniert, muss eine Mindestgeschwindigkeit erreicht werden. Fliegt der Tiger hingegen zu schnell, besteht das Risiko, dass der Sack abgerissen wird. Nun beginnt der Tractor mit seiner eigentlichen Aufgabe. Über dem Dammastock auf FL140 (ca. 4300 m ü. M.) dreht er mit einer Geschwindigkeit von etwa 550 km/h auf gleichbleibender Höhe mit dem Schleppsack als fliegende Zielscheibe seine Kreise. Er muss diese Kreise (ohne GPS-Unterstützung), die einen Radius von rund fünf Kilometer umfassen, sehr exakt fliegen, damit er – und mit ihm die ihn verfolgenden Hornets – innerhalb der Sperrzone bleiben kann und die Schüsse im dafür vorgesehenen Schiesssektor abgegeben werden können. Der Schlepp-Pilot orientiert den KP und die Hornets pro Runde vier Mal über seinen Standort. Auf diese Weise wissen die «Jäger» um ihr Zeitfenster für die Schussabgabe.
Abschied über dem Dammastock
Wenn die Hornets ihre Übungen abgeschlossen haben, fährt der Tractor-Pilot den Schleppsack bis auf 70 Meter ein und fliegt dann tief und langsam beim KP vorbei, damit der Schiessleiter den Zustand des Zielsacks beurteilen kann. Wenn alles ok ist und der Sack nicht zu sehr lädiert ist, kann der Tiger nach Meiringen zurückkehren, dort den Seilrest samt Sack zuerst über einem Grasteil des Flugplatzes abwerfen und anschliessend normal landen. Nach der Übung verabschieden sich die Piloten jeweils vom KP mit einem tiefen Vorbeiflug: die F/A-18-Zweierteams nach jeweils 20 Minuten, der Tractor nach zwei Schichten (40 Minuten) und mit bis auf 70 Meter eingefahrenem Sack. Da pro Jahr am Dammastock nur etwa zwei Wochen LL-Schiessen trainiert werden kann, ist jeder Tag kostbar und eine unvergessliche Erfahrung für die Teilnehmenden. Das Training zeichnet sich ganz besonders durch ein perfektes Zusammenspiel aller Beteiligten aus.
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