«Cockpit»: Herr Liemandt, im November findet in Köln nun zum ersten Mal die EUROPEAN ROTORS statt, nachdem sie pandemiebedingt um ein Jahr verschoben werden musste. Sie wird hybrid durchgeführt. Ein ausgesprochen progressives Format – und wohl mit einem enormen Aufwand verbunden. Welche Überlegungen, Überzeugungen und Motivationen stehen hinter der unbedingten Absicht der Organisatoren, auch in dieser schwierigen Zeit eine Messe zu organisieren?
Dr. Frank Liemandt: Wir sind wirklich froh, nun sicher sagen zu können, dass die Messe stattfindet! Nach dann 1,5 Jahren Corona Zwangspause sehen wir ein grosses Verlangen in der Industrie, sich endlich wieder persönlich auszutauschen – selbstverständlich mit einem entsprechenden Schutz und Hygienekonzept, das wir schon für 2020 erarbeitet hatten und in den kommenden Wochen anhand der aktuellen Regelungen weiter justieren. Der Aufwand für eine Hybrid Veranstaltung ist im Übrigen gar nicht so gross, im Gegenteil setzt er nur das konsequent fort, was wir 2020 digital begonnen haben und im Anschluss immer weiter ausgebaut haben: Ein breites Informationsangebot über die EUROPEAN ROTORS in der digitalen Welt.
Angenommen, die Präsenzveranstaltung müsste wider Erwarten wegfallen: Gibt es alternative Optionen, zum Beispiel die Umstellung auf komplette digitale Messeplattformen?
Grundsätzlich sind wir sehr optimistisch, dass wir die Präsenzveranstaltung in diesem Jahr endlich an den Start bringen können. Massentests sowie der zunehmende Impffortschritt in ganz Europa und anderen wichtigen Zielmärkten wie Nordamerika machen uns sehr zuversichtlich. Zudem kündigte der Wirtschaftsminister von Nordrhein Westfalen jüngst an, dass in seinem Bundesland Messen und Kongresse eben unter bestimmten Auflagen abhängig von niedrigen Inzidenzen wieder durchgeführt werden können – ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Mit unserem neuen, hybriden Format erhalten Aussteller wie Besucher zudem zusätzliche Angebote, auf der Premiere der EUROPEAN ROTORS dabei zu sein, auch wenn z.B. im Einzelfall Reisen nicht möglich sind. Und hier freue ich mich wirklich sagen zu können: EUROPEAN ROTORS beginnt ab dem 19. Juli. Dann sind wir mit unserer neuen digitalen Eventplattform online, die sich nun in den kommenden Wochen Schritt für Schritt füllen wird, sowohl was die Aussteller angeht als auch unserem Konferenzprogramm.
Sie haben es bereits angesprochen: Die EUROPEAN ROTORS hat bereits zu einem früheren Zeitpunkt die «Digital Series» lanciert. Welche Erfahrungen wurden damit gemacht?
Wir waren alle enttäuscht, als wir die Premiere der EUROPEAN ROTORS verschieben mussten. Viele unsere Partner kamen auf uns zu mit Aussagen wie «Ich wollte doch unbedingt mein neues Produkt x vorstellen, meine neue Leistung y usw. Der Vortrag z hätte mich so sehr interessiert». Also mussten wir ein Konzept finden, diesen Wünschen gerecht zu werden. Und das funktioniert mit der Digital Series perfekt! Wir machen ja eine Mischung aus Interviews, Panels und Live Angeboten wie z.B. Webinars. Unlängst hatten wir bei einem Webinar mit Claude Vuichard über 400 Anmeldungen, und unser Rekordhalter ist das Boeing Interview mit über 28'000 Clicks!
Sie haben angekündigt, mit«EUROPEAN ROTORS 365» auch über die eigentlichen Messetage hinaus aktiv zu bleiben.
Nicht erst die Erfahrungen unter Covid haben uns gezeigt, dass die eigentliche Veranstaltung nur ein «Peek» im Austausch rund um die Themen der Branche sind, mit denen wir uns das ganze Jahr durch beschäftigen, zumeist eben digital. EUROPEAN ROTORS 365 will entsprechend ein Informationsangebot und Plattform sein, um im Austausch zu bleiben. So, wie wir das eben mit der Digital Series als erstem Bestandteil ja bereits seit über einem dreiviertel Jahr sehr erfolgreich tun.
Inwiefern hat sich das Messekonzept inhaltlich gegenüber der geplanten Auflage im vergangenen Jahr im Hinblick auf die bevorstehende Premiere verändert?
Wir wollen weiter neben dem Austausch in der Halle und den B2B Gesprächen vor allem auf den zusätzlichen Mehrwert über Informationen mittels unseres Konferenz- und Weiterbildungsprogramms setzen. Entsprechend planen wir wieder Schwerpunktthemen wie das EASA Rotorcraft Symposium, dem Swiss Innovation Day, HEMS sowie Offshore oder auch Polizei und Aerial Work. Die Detailplanung ist gerade im Entstehen. Ein neuer Schwerpunkt wird sicher auch Sustainable Aviation Fuel (SAF) sein, das Thema entwickelt eine grosse Dynamik. Zusätzlich haben wir Kooperationen mit neuen Partnern, wie der renommierten VFS, Heli Russia und der Heli-Conference in Dubai.
Mit welchen inhaltlichen und konzeptionellen Attributen punktet die EUROPEAN ROTORS?
Es ist aus unserer Sicht der einmalige Vorteil, dass wir den europäischen Verband und den Regulator als Organisatoren der Messe haben. Das bedeutet, wir bringen wirklich die gesamte Industrie, die Betreiber und den Gesetzgeber zusammen, um über die Zukunft unserer Branche sprechen zu können, voneinander zu lernen und vor allem über die Herausforderungen gemeinsam diskutieren zu können. Und diesen Austausch wollen wir eben nicht nur in Networking Gesprächen in der Halle sicherstellen, sondern in unserem umfangreichen Konferenzprogramm zu dem auch zahlreiche Workshops und Trainings gehören.
Mit welchem Anteil an Ausstellern ist die Schweiz an der EUROPEAN ROTORS vertreten?
Aktuell sind bereits einige Schweizer Firmen wie bspw. RUAG, Airwork & Heliseilerei, VRM Switzerland oder Bucher Leichtbau vertreten. Zudem sind wir in Gesprächen mit dem Swiss Aerospace Cluster bzgl. eines Gemeinschaftsstandes. Im Konferenzprogramm wird es einen Swiss Innovation Day geben, den wir gemeinsam mit der Swiss Helicopter Association sowie der Rega planen.
In welcher Weise wird an der Messe der Nachwuchs abgeholt?
Wir wollen natürlich Werbung für den Nachwuchs machen, um aufzuzeigen, wie attraktiv die Rotorcraft und VTOL Branche auch als Arbeitgeber sein kann. Vice versa bieten wir damit auch unseren Unternehmen die Chance, sich zu präsentieren, denn Nachwuchskräftemangel herrscht ja überall. Daher wenden wir uns beim jüngeren Publikum speziell an Studenten – diesen bieten wir einen vergünstigten Eintrittspreis an. Ausserdem planen wir mit der Studentenvereinigung EUROAVIA wieder den sogenannten Rotorthon. Auch Führungen für Schulklassen würden wir gerne wieder anbieten, wenn das – im Abklang der Pandemie – möglich und erlaubt sein wird.
Die EUROPEAN ROTORS betont das wachsende internationale Netzwerk. Was ist darunter zu verstehen?
Die Hubschrauberbranche ist seit jeher eine kompakte aber internationale Community – daher ist unser Ansatz von Anfang an hier internationale Entscheider aus den wichtigsten Kernmärkten vor Ort zusammenzubringen. Wichtig ist, voneinander zu lernen, beispielsweise im Bereich Brandbekämpfung von Ländern wie Spanien oder Portugal, die seit Jahrzehnten jedes Jahr sich hier wappnen und sofort einsatzbereit sein müssen, wenn es losgeht. Das ist für die nordischen Länder eher ein neues Phänomen, wirklich jährlich eine Waldbrandsaison zu haben. Interessant sind auch die Projekte im Bereich Lowlevel IFR oder PInS (Point in Space Verfahren), hier sind ja die Schweiz und die REGA neben Norwegen federführend, was die Einführung solcher Verfahren angeht. Auch da wollen wir voneinander lernen und laden entsprechend zu Workshops ein.
Worauf legen Sie als Organisatoren im Hinblick auf die bevorstehende Messe besonderen Wert? Was ist Ihnen wichtig? Welche Anliegen vertreten Sie? Welche Botschaften wollen vermittelt werden?
Eine unserer Kernmessages lautet: «It`s for everyone!» D.h. wir möchten wirklich alle ansprechen, ob nun direkt in der Branche oder als Kunde der vielfältigen Leistungen der «Biene der Luftfahrt». Wir sind täglich an so vielen Stellen unersetzbar im Dienste der Gesellschaft unterwegs, ob bei der Rettung gerade auch während Covid, bei der Inspektion wichtiger Infrastruktur wie Leitungen oder auch Transport in unzugängliches Gelände. Vor allem wollen wir aber nun mit unserer Premiere 2021 den Neustart auch der gesamten Branche mitanschieben, nach 1,5 ganz schwierigen, wirtschaftlichen Jahren.
Über die Veranstaltung
EUROPEAN ROTORS – The VTOL Show and Safety Conference ist der Ort, an dem sich die gesamte Drehflügler-Branche trifft, um ihre Geschäftstätigkeiten auszubauen und über Sicherheit und Nachhaltigkeit von Drehflüglern zu diskutieren. Zum ersten Mal arbeiten die European Helicopter Association (EHA) und die European Union Aviation Safety Agency (EASA) zusammen, um ein einzigartiges Schaufenster für die europäische Rotorcraft Community zu schaffen. Sie haben dabei die volle Unterstützung der führenden OEMs wie Airbus Helicopters, Bell Textron, Leonardo Helicopters und Safran. EUROPEAN ROTORS wird die führende Plattform sein, die der Industrie eine Ausstellung bietet, auf der alle Interessenvertreter – einschliesslich Hersteller (OEMs), Zulieferer und Betreiber – zusammenkommen, um Geschäfte anzubahnen und Wissen auszutauschen. VTOL-Fluggeräte mit unterschiedlichem Autonomiegrad werden ebenfalls integriert, da sie eine wichtige Zukunftstechnologie sind – entweder komplementär zu heutigen Hubschraubern – oder neue Dimensionen bieten: zum Beispiel in urbanen Umgebungen.
Die Messe Friedrichshafen, Veranstalter der bekannten Luftfahrtmesse AERO Friedrichshafen, ist der Dienstleister für die neue Messe. Das Konzept besteht aus einer Fachmesse kombiniert mit einem einzigartigen Konferenzprogramm mit Vorträgen, Workshops und zertifizierten Trainingskursen. Besonders hervorzuheben ist die Integration des etablierten EASA Rotorcraft and VTOL Symposiums, das eine bessere Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis zur Erhöhung der globalen Flugsicherheit ermöglichen soll.
Die EUROPEAN ROTORS wird ab 2021 jährlich stattfinden. Weitere Informatione: www.europeanrotors.eu
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