Sofern die Bedingungen für den Start geeignet sind, soll der Flug VV21 bereits am 7. Juli abheben. Mit grösseren Hauptstufen und der grösseren Verkleidung, die das Nutzlastvolumen im Vergleich zur Vega verdoppelt, ist die Vega-C 34,8 m hoch, fast 5 m höher als die Vega.

Grössere Nutzlast

Die neue Trägerkonfiguration bietet eine erhebliche Verbesserung der Flexibilität des Startsystems. Vega-C kann grössere Satelliten in die Umlaufbahn bringen, zwei Hauptnutzlasten oder verschiedene Arrangements für Rideshare-Missionen aufnehmen. Auch das ESA-Raumfahrzeug Space Rider wird mit Vega-C in die Umlaufbahn gebracht.

Die Inbetriebnahme der Vega-C bedeutet eine drastische Steigerung der Leistungsfähigkeit im Vergleich zum Vorgängermodell Vega, das seit 2012 im Einsatz ist. Mit neuen ersten und zweiten Stufen und einer verbesserten vierten Stufe steigert Vega-C die Leistung von 1,5 t auf etwa 2,2 t in einer Referenzpolarumlaufbahn von 700 km.

Leistungsstärkere Erststufe

Vega-C verfügt über eine neue, leistungsstärkere erste Stufe, P120C, die auf der P80 von Vega basiert. Darüber befindet sich eine neue zweite Stufe, Zefiro-40, und dann die gleiche dritte Stufe Zefiro-9 wie bei Vega.

Verbesserte Oberstufe ermöglicht längere Betriebszeit

Auch die wiederzündbare Oberstufe wurde verbessert. AVUM+ verfügt über eine höhere Kapazität an Flüssigtreibstoff, um Nutzlasten je nach den Anforderungen der Mission in mehrere Umlaufbahnen zu befördern und eine längere Betriebszeit im Weltraum zu ermöglichen, was zu längeren Missionen führt.

Motor auch für Ariane 6

Der P120C-Motor wird einen Doppeleinsatz leisten, wobei entweder zwei oder vier Einheiten als Strap-on-Booster für die Ariane 6 dienen. Durch die gemeinsame Nutzung dieses Bauteils wird die industrielle Effizienz gesteigert und die Kosteneffizienz der beiden Trägerraketen verbessert.

Merkmale eines bewährten Konzepts verändert

Die ESA Wie jeder Erststart ist auch diese Mission eine Herausforderung. «Vega-C weist wesentliche Verbesserungen gegenüber Vega auf, sowohl bei der Rakete als auch bei der Bodeninfrastruktur», sagt Renato Lafranconi, Vega-Programmleiter. «Wir haben eine neue Konfiguration entwickelt, bei der viele Merkmale eines bewährten Konzepts erheblich verändert wurden, aber das Ziel ist es, die Leistung und Wettbewerbsfähigkeit deutlich zu verbessern.»

Unabhängig in Sachen Startkapazitäten

Daniel Neuenschwander, ESA-Direktor für Raumtransport, betont, dass Vega-C zusammen mit dem Schwerlastträger Ariane 6 arbeiten wird, um sicherzustellen, dass Europa flexible, wettbewerbsfähige – und vor allem autonome – Startkapazitäten behält. «Mit Vega-C und Ariane 6 verfügt Europa über eine flexible, unabhängige Lösung für einen sich schnell verändernden Startmarkt. Und diese beiden Systeme sind die Grundlage eines Entwicklungsplans, der den europäischen Institutionen und kommerziellen Partnern dienen und ein neues Kapitel europäischer Dienste aufschlagen wird.»

Eröffnungsflug transportiert zwei Nutzlastpakete ins All

Die Hauptnutzlast auf dem Eröffnungsflug ist LARES-2, eine wissenschaftliche Mission der italienischen Raumfahrtagentur (ASI). Nach dem Einschwenken in die Erdumlaufbahn wird die Bahn von LARES-2 von Bodenstationen aus per Laser genau verfolgt. Ziel der Mission ist es, den so genannten Frame-Dragging-Effekt zu messen, eine Verzerrung der Raumzeit, die durch die Rotation eines massiven Körpers wie der Erde verursacht wird, wie sie in Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie vorhergesagt wird. Sein Vorgänger, LARES, war die Hauptnutzlast auf dem Eröffnungsflug von Vega im Jahr 2012.

Sechs CubeSats bilden ein zweites Nutzlastpaket. AstroBio CubeSat (Italien) wird eine Lösung zum Nachweis von Biomolekülen im Weltraum testen. Greencube (Italien) trägt ein Experiment zur Aufzucht von Pflanzen in der Mikrogravitation. ALPHA (Italien) soll helfen, Phänomene im Zusammenhang mit der Magnetosphäre der Erde zu verstehen, wie beispielsweise das Nord- und Südlicht. 

Drei weitere CubeSats – Trisat-R (Slowenien), MTCube-2 (Frankreich) und Celesta (Frankreich) – sollen die Auswirkungen einer rauen Strahlungsumgebung auf elektronische Systeme untersuchen.

Auch die Schweiz beteiligt sich

Die ESA-Mitgliedstaaten, die sich an Vega-C beteiligen, sind Österreich, Belgien, die Tschechische Republik, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, die Niederlande, Norwegen, Rumänien, Spanien, Schweden und die Schweiz.