Fram2 wird die erste bemannte Raumfahrtmission, welche die Erde von einer polaren Umlaufbahn aus erkunden und zum ersten Mal die Polarregionen der Erde überfliegen wird. Die Mission wurde nach einem Schiff benannt, mit dem Entdecker erstmals die arktischen und antarktischen Regionen der Erde erreichten. Chun Wang, ein Unternehmer und Abenteurer aus Malta, möchte mit der Mission der breiten Öffentlichkeit ein Gefühl des Staunens und der Neugier vermitteln. Er möchte aufzeigen, wie Technologie dazu beitragen kann, die Grenzen der Erforschung der Erde und der Forschung im Rahmen der Mission zu erweitern.
Besatzung ohne Raumflug-Erfahrung
Wang lässt sich bei der Mission von einer internationalen Crew begleiten. Jannicke Mikkelsen aus Norwegen ist Kommandantin, Eric Philips aus Australien übernimmt die Funktion des Piloten und Rabea Rogge aus Deutschland wird Missionsspezialistin. Für jedes der Besatzungsmitglieder ist dies der erste Raumflug. Eine Cockpit-Crew ohne entsprechende praktische Erfahrung und ohne erfahrenen Kommandanten? Was in der zivilen Luftfahrt undenkbar wäre, ist in der kommerziellen Raumfahrt rechtens, wie die US-Luftfahrtbehörde auf Anfrage bestätigt. Die FAA-Vorschriften für die Qualifikation und Ausbildung kommerzieller Raumfahrtbesatzungen verweisen nicht auf den Begriff «Kommandant». Sie verlangen keine vorherige Raumfahrterfahrung, um eine Start- oder Wiedereintrittsrakete zu steuern. Nach Bundesrecht ist es der FAA sogar untersagt, die Sicherheit von Personen an Bord kommerzieller Trägerraketen oder Wiedereintrittsfahrzeugen zu regulieren. Dieses gesetzliche «Moratorium» wurde ursprünglich im Jahr 2004 eingeführt und vom Kongress mehrfach verlängert. Am 1. Januar 2025 soll es auslaufen.
Pilotenlizenz und Ausbildung auf Raumfahrzeug
Ganz ohne Ausbildung steigen die kommerziellen Raumfahrer natürlich nicht in den Crew Dragon. Sie müssen u. a. ein FAA-Pilotenzertifikat mit Instrumentenflugberechtigung besitzen, eine spezielle Ausbildung für das zu fliegende Luftfahrzeug absolvieren und über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen, um im nationalen Luftfahrtsystem der USA zum Schutz der öffentlichen Sicherheit zu operieren. Laut FAA beziehen sich die Vorschriften für den Piloten auf Aspekte des Führens des Fahrzeugs, die die öffentliche Sicherheit betreffen, und nicht auf die Sicherheit der Besatzung, die über das hinausgeht, was für den sicheren Betrieb des Fahrzeugs erforderlich ist.
Untersuchen von «Polarlichtern»
Zurück zur Mission: Während der drei- bis fünftägigen Raumfahrt plant die Besatzung, die Polarregionen der Erde durch die Dragon-Kuppel in einer Höhe von 425 bis 450 km zu beobachten, um ungewöhnliche Lichtemissionen zu untersuchen, die Polarlichtern ähneln. Die Besatzung wird grüne Fragmente und lilafarbene Bänder mit kontinuierlichen Emissionen untersuchen, die mit dem als STEVE (Strong Thermal Emission Velocity Enhancement) bekannten Phänomen vergleichbar sind, das in einer Höhe von etwa 400 bis 500 km über der Erdatmosphäre gemessen wurde.
Röntgen im Weltraum
Die Crew wird auch mit SpaceX zusammenarbeiten, um eine Reihe von Forschungsarbeiten durchzuführen, um die Auswirkungen der Raumfahrt auf den menschlichen Körper besser zu verstehen. Dazu gehören die Aufnahme der ersten menschlichen Röntgenbilder im Weltraum, Just-in-Time-Trainingswerkzeuge und die Untersuchung der Auswirkungen der Raumfahrt auf die Verhaltensgesundheit, die alle zur Entwicklung von Werkzeugen beitragen werden, die für die Vorbereitung der Menschheit auf zukünftige Langzeit-Raumflüge erforderlich sind.
Falcon 9 wird Fram2 frühestens Ende 2024 von Florida aus in eine polare Umlaufbahn bringen.