Das Startfenster zum diesjährigen Gordon Bennett Cup wurde am 14. September um 20 Uhr geöffnet. Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger hätten als siebter Ballon in die fortgeschrittene Dämmerung starten dürfen. Doch dann liess sich eine Brennstoffzelle nicht laden. Kabellötungen und die Mitnahme einer zusätzlichen Batterie ermöglichten schliesslich den Start rund eine halbe Stunde vor Ende des Startfensters. Balthasar Wicki und René Erni waren zu diesem Zeitpunkt bereits in der Luft. Sie starteten als 16. 

Übers Meer

In den ersten 24 Stunden legten die Ballone eine lange Strecke im Pulk bis in die Mitte Frankreichs zurück. Drei Teams landeten vor Anbruch der zweiten Nacht am Sonntagabend. Schliesslich teilte sich der Pulk in Gruppen. Die drei US-Teams, die Niederländer und SUI-2 zogen es vor, nicht übers Wasser fahren zu müssen. Alle anderen Teams würden für eine kürzere oder längere Strecke übers Meer fahren. Dies geschah in den späten Nachtstunden des Montagmorgens bei Bordeaux. Einige Stunden später erreichten sie Spaniens Festland zwischen San Sebastian und Santander.

Unsanfte Landung für SUI-2

Bis auf die drei am ersten Abend gelandete Ballone befanden sich nun alle Teams über Spanien. Am Abend mussten Balthasar Wicki und René Erni das Rennen unfreiwillig beenden. Ihre Fahrt dauerte 1 Tag, 21 Stunden und 53 Sekunden, wobei sie eine Distanz von 1489,44 Kilometer zurücklegten. Das bedeutet in der Endabrechnung Rang 14. Die beiden Piloten berichten über eine grossartige Fahrt am Morgen des zweiten Tages. Nachdem sie die Pyränen in perfekter Linie überquert hatten, gerieten sie jedoch westlich von Pamplona über einem Berg in Turbulenzen, wie sie sie bislang nicht erlebt hatten. «Das war beängstigend», sagte Balthasar Wicki gegenüber Gordon Bennet TV.  Später gelangten sie in eine talähnliche Gegend aus der sie ohne den Luftraum- und die Wettbewerbsregeln zu verletzen, nicht herauskommen würden. Die Landung erfolgte bei unangenehmen Winden um 15 Knoten zwischen Olivenbäumen. «René hat das souverän gemeistert, aber es war eine ruppige Landung.» Das Wichtigste: die beiden blieben unversehrt. Bedauerlich für Wicki und Erni: Sie hätten leicht eine dritte Nacht bestreiten können; Gas, Ballast und Proviant wären noch ausreichend vorhanden gewesen, um die Fahrt fortsetzen zu können.

Präzisionsarbeit

Von 21 Ballonen waren am Dienstagmorgen immer noch 12 in der Luft. Das ist einerseits idealen Bedingungen zu verdanken. Doch inzwischen sind die meisten Ballone mit den modernsten Ballonen, Elektronik und Kommunikationsmitteln ausgerüstet. Auch teilen sich immer mehr Teams ihre Kommandozentralen, die sie vom Boden aus mit den neuesten Wetterdaten und -modellen versorgen, was ausgeglichenere Bedingungen schafft. Trotzdem braucht es die Erfahrung der Piloten, das vernetzte Denken und sorgsamer Umgang mit den Ressourcen wie dem Ballast. Folgendes Zitat aus dem Blog von Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger aus der dritten Nacht beschreibt die Feinarbeit: «Meter für Meter steigen und sinken wir, um die Richtung ein paar Grad zu justieren.»

Viele mit intakten Chancen

Europa endet im Westen in Portugal, respektive in Südspanien. Eine Ankunft im Westen Portugals bringt weniger Distanz als eine Landung im Südwesten, die die Spitzenteams am dritten Morgen anvisierten. Diverse Ballone fuhren immer noch mit intakten Chancen auf den Sieg. Allen voran der französische Ballon FR-1, verfolgt von Kurt Frieden und Pascal Witprächtigers SUI-1. Doch hinter ihnen lauerten auch noch FR-3 und GER-1 mit den amtierenden Weltmeistern Benjamin und Wilhelm Eimers und weitere. Mitte des Morgens war an der Spitze alles offen.

Deutschland, Österreich oder die Schweiz?

Vor dem Mittag befanden sich immer noch sieben Ballone in der Luft. An der Spitze schien es zunächst ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Ballonen aus der Schweiz, Österreich, Deutschland und Frankreich oder sollte man den Ballon von Frankreich 2 und Deutschland 3 auch noch im Auge behalten, die sich von Norden näherten?  SUI-1 hatte die Führung vor dem österreichischen Ballon mit Stefanie Liller und Christian Wagner, der sich bei Fonte de Mouro auf den Atlantik treiben liess. Ist das die entscheidende Schlaufe? Hatten sie wie die Schweizer Sagres an der südwestlichen Spitze Portugals zum Ziel. Falls ja, würde ihnen der Umweg über den Atlantik die nötigen Kilometer verschaffen, um die Schweizer zu überholen. Kurz nach 12 Uhr stach auch GER-3 in See respektive fuhren Andreas Zumrode und Axel Huhnekul mehr als 5000 m über Meer und mit über 30 km/h über den Atlantik.

Wer steht zuoberst?

Für Frieden/Wipträchtiger zeichnete sich um 13.30 Uhr ein Platz auf dem Treppchen ab. Bis auf das deutsche GER-3-Team und das österreichische Team über dem Atlantik waren alle gelandet. Frieden/Witprächtiger fuhren ebenfalls aufs Meer nur im Süden. Bei Sagres kreuzten sich der Österreicher und der Schweizer Ballon.  Frieden/Witprächtiger von Ost nach West auf 400 m Höhe und die Österreicher von West nach Ost in rund 3000 m Höhe. Währenddessen steuerte auch GER 3 wieder auf die Küste zu. 

Österreich vor der Schweiz

Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger landeten nach zwei Tagen, 18 Stunden und 2109,75 km zurückgelegten Kilometern am Cabo de São Vicente. Rund eine Stunde später setzten auch Stefanie Liller und Christian Wagner zur Landung an. Noch führten sie mit 2111,17 km zurückgelegter Distanz. Doch sie mussten um den Sieg zittern, denn im Hinterland holten Andreas Zumrode und Axel Huhnekul mit ihrem Ballon GER-3 immer noch Kilometer auf. Den beiden ging der Atem nicht so schnell aus. Sehr langsam aber stetig kam der Ballon voran. Am Ende reichte es ihnen aber nicht, die neuen Vizeweltmeister Kurt Frieden und Pascal Witprächtiger und die neuen Weltmeister und Sieger der 67th Coupe Aéronautique Gordon Bennett, Stefanie Liller und Christian Wagner aus Österreich.